Iquitos Reisebericht – Belén Market und der schwimmende Slum
Iquitos
Peru

Belen Iquitos – Belén Market und das schwimmende Armenviertel

on
Juli 25, 2019

Iquitos liegt im Norden Perus und wird auch als „Hauptstadt der Amazonas“ genannt. Die Geschichte von Iquitos ist interessant. Es war eine Stadt, die im Kautschukboom aufgrund ihres Naturkautschukreichtums entstanden ist. Die Gründer der Stadt nutzten den Amazonas, um ihre Waren zu exportieren und bauten majestätische Häuser im Kolonialstil – und so war die Stadt geboren.

Ein anderer außergewöhnlicher Fakt ist: Iquitos ist die größte Stadt der Welt, die nicht über Straße erreichbar ist. Du musst entweder den Flieger nehmen oder mit Boot oder Fähre hinfahren.

Als wir in Iquitos angekommen sind, wir schienen in einem anderen Land anzukommen. Im krassen Gegensatz zur Ruhe und Traditionalismus der bisher erlebten Orte in den Bergen ist Iquitos ein Irrenhaus. Anfangs erinnerte es uns mehr an Südostasien als an Südamerika. Wir fühlten ein asiatisches Deja Vu mit der warmen schwülen Luft, den staubigen Straßen und der einfachen Architektur. Was uns aber am meisten an Asien erinnerte, war der Motoverkehr.

Sehenswürdigkeiten in Iquitos

Wir planten von Iquitos aus eine 3-tägige Amazonas Dschungel Tour, aber bevor wir unsere Abenteuer im Regenwald begonnen haben, wollten wir erstmal die quirlige Stadt erleben und entdecken. Wir haben die Besichtigung von Belen Stadtviertel und dem Belén Markt mit einem Guide gemacht. Einen Guide in Iquitos an der Seite zu haben hat mehrere Vorteile: einmal du bekommst mehr Informationen, zweimal du kannst dich auf den dichten Straßen des Marktes sicher fühlen. Belen gehört zu den armen Stadteilen von Iquitos. Du musst hier erhöht auf deine Sicherheit achten.

Belen – das schwimmende Stadtviertel

Belen Stadtviertel (Belen Floating Area) ist Perus schwimmendes Armenviertel im Amazonas. Das Barrio de Belén steht nicht auf der Liste der meisten glamourösen Orte. Du kannst hier nicht übernachten, da es auch gefährlich sein kann. Die Kautschuk- und Ölbooms in Iquitos füllten die Stadt mit ungeheurem Reichtum, und auf ihrem Höhepunkt wurden Villen gebaut und Luxusschiffe fuhren auf dem Fluss umher. Diese Millionen von Dollars fanden alle ihren Weg nach Ausland, und die Einwohner von Iquitos wurden aus der Stadt gedrängt. Viele von ihnen landeten in den Slums von Belen.

Mit einem Mototaxi knatterten durch den Irrenverkehr zu einem kleinen, schmutzigen Hafen in Belén. Während der Fahrt stellten wir die Frage, ob es irgendeine Verkehrsregel in Iquitos gibt oder fahren die Fahrer nach dem Motto „Der Stärkere gewinnt“. Wir hatten das Gefühl, in jedem Moment in einem Schlagloch zu fahren, der einen ganzen VW Käfer hätte verschlucken können. Der Fahrer hatte aber unheimlich guten Feingefühl und fuhr haarscharf an allen aufgerissene Asphaltstellen vorbei.

Am Hafen hat unser Guide einen Peke Peke Boot organisiert. Mit dem länglichen Motorboot fuhren wir in Belen ca. 45 Minuten lang durch die Gegend.

Pfahlbauten in Belén

Belen ist wie ein Dorf bestehend aus Pfahlbauten und schwimmenden Häusern am Fluss Itaya. Das Gebiet hat uns ziemlich an die Kanaltour in Bangkok oder an unseren Trip am Inle-See in Myanmar erinnert. In Belen gibt es alles: Wohnhäuser und Shops auf Stelzen, Pfahlbaukirche, sogar Kindergarten und Schule auf Pfählen. Manche Gebäude stehen stolz und gerade, manche sind zerfallen. Viele Wohnhäuser sind schon so tief gesunken, dass sie fast untergehen.

Vor vielen Bauten steht eine kleine schwimmende Hütte, die als Toilette dient. Kanalisation gibt es in Belen nicht, alles wird durch den Fluss weggeschwemmt. Als Bad und für Wäsche wachen nutzen die Einwohner natürlich demselben Flusswasser. Wir fanden es sehr unhygienisch, aber die peruanischen Kinder schienen kerngesund zu sein. Sie spielten in den Rudelbooten, badeten oder nutzten ein großes Styroporstück als Schiffchen.

Die Bewohner verzichten sich auf Tierhaltung nicht, obwohl sie auf dem Wasser leben. Du kannst unzählige Käfige mit Hühnern sehen, Hunde stehen auf den Veranden oder Schweine suchen nach Nahrung auf Holzhaufen, der ähnlich wie ein Stall aussieht.

Wir fuhren an verfallenen Flussschiffen vorbei. Diese haben in ihrer Blütezeit Kautschuk und andere Waren aus dem Dschungel transportiert, heute stehen sie am Flussufer.

Trips durch Slums finden wir immer wieder eye-opening. Es wird uns bewusst, wie gut wir leben und wir dürfen damit nicht unzufrieden sein, was wir haben. Es gibt Menschen, die unter viel einfacheren oder schlechteren Zuständen leben.

Belén Market

Der Markt hier, der sich innerhalb der Stadtblöcke vor Belén befindet, ist wild, überfüllt und im wahrsten Sinne des Wortes tierisch. Nichts für schwache Nerven.

Auf dem Belén Market werden zahlreiche Tierarten in jeglichem Zustand verkauft: lebendig oder zerstückelt in einzelnen Körperteilen, die Haut des Lebewesens, präparierte Tierprodukte oder nur das Skelet. Es gibt Hähnchen oder Schwein, verschiedene Fischarten, die frisch im Amazonas gefangen wurden. An vielen Ständen findest du auch exotische Produkte.

Indigene Gemeinschaften dürfen Wild jagen und fressen, aber der Verkauf des Fleisches ist verboten. In den labyrinthartigen Straßen des Marktes von Belen, wo die Produkte aus dem Regenwald über ein Netz von Amazonas-Nebenflüssen angedockt werden, sterben alte Gewohnheiten jedoch schwer. Fleischstücke des gefährdeten südamerikanischen Tapirs werden auf Klapptischen gestapelt. Du kannst die gespaltenen Hufe von Pekari (Nabelschwein) oder Sajino (Halsbandpekari) erkennen. Die kleinen Pfoten des Agouti oder des Nagetiers Paka hängen von den schmutzigen Tischen ab. Das geschützte Motelo (Gelbfußschildkröte) wird für den Topf geschlachtet und auf dem Markt werden ihre Beine für Schildkröten-Gulasch angeboten. Dicke Würmer werden gegrillt und zum menschlichen Konsum verkauft. Der Kaiman und das Gürteltier gelten als Delikatesse.

Hunde und Katzen drehen ihre Runden unter den Tischbeinen und suchen nach runtergefallenem Fleisch. Schwarze Geier lauern auf den Dächern und warten. Vielleicht können sie auch was abbekommen.

Verschiedene Arten von Obst

Neben tierische Waren werden hier verschiedene heimische Obstsorten angeboten. Es lohnt sich sie zu probieren. Die Camu Camu schaut aus wie dicke, grünliche Mirabelle und stammt aus dem peruanischen Amazonas-Regenwald. Die Frucht ist extrem sauer und hat einen Geschmack, der mit einer Mischung aus Sauerkirsche und Limette vergleichbar ist. Auf dem Markt wird das Obst in Tüten verkauft. Aguaje hat eine dicke Textur und einen milden, trockenen Geschmack. Es schmeckt überhaupt nicht nach Obst, eher nach Gemüse. Die Peruaner essen es mit Salz und tatsächlich schmeckt es so besser. Pacay, diese seltsame, in den Andentälern beheimatete Hülsenfrucht, die auch als Eisbohne bekannt ist, enthält ein süßes, essbares, weißes Fruchtfleisch mit einem Geschmack, der an Vanilleeis erinnert. Die Konsistenz des Fruchtfleisches ähnelt sich an Zuckerwatte.

Kleine Imbisse

Der Markt hat einen Bereich, wohin die Peruaner gerne frühstücken gehen. An den einzelnen Verkaufsständen können sie Sandwiches oder verschiedene Smoothies kaufen. Das belegte Brot haben wir lieber ausgelassen. Unser europäischer Magen hätte es wahrscheinlich nicht ertragen. Unser Guide hat sich einen Smoothie zubereiten lassen. Er schwor darauf, dass er nach dem Getränk bis Mittag keinen Hunger hat. Der Smoothie aus Sahne, Milch, Bier, Ei und Früchten schmeckte seltsam.

Kleiner Hexenmarkt

Der Markt in Belén hat einen kleinen Teil, der als Hexenmarkt benannt wird. An den winzigen Marktständen werden Amuletten, Kaiman- und Krokodilskelete, präparierte Tierteile angeboten. An manchen Stellen hängen Schlangenhäute und Jaguarfell. Heimische, pflanzliche Arzneimittel in großen, dunklen Flaschen stehen in Reihen auf den Regalen. Cremes für verschiedenen Beschwerden, Coca-Blätter und unterschiedliche Heilpflanzen, Kräuter findest du auf dem Hexenmarkt. Das verbotene Ayahuasca Halluzinogen wird heimlich, unter der Hand in Flaschen abgefüllt verkauft.

Anreise nach Iquitos

Da die Stadt Iquitos auf dem herkömmlichen Weg mit Auto nicht erreichbar ist, kannst du entweder das Frachtschiff oder das Flugzeug wählen. Mit dem Schiff dauert die Anreise 3 Tage lang. Es ist zwar günstiger als Fliegen und bedeutet ein Abenteuer, ist aber nicht unbedingt komfortabel. Man schläft ja entweder in winzigen, stickigen Kabinen oder in Hängematten. Schiffe verkehren von Tarapoto oder von Yurimaguas. Eine genaue Abfahrtszeit gibt es nicht. Sie fahren erst dann los, wenn das Schiff mit Fracht voll ist. Die Fahrt kostet ca. 100 Soles (27 Euro). 3 Mahlzeiten am Tag sind im Pries inbegriffen.

Mit Flug ist es am einfachsten. Aus Lima fliegen verschiedene Fluggesellschaften (z. B. Latam und Peruvian) mehrmals am Tag in die Dschungelmetropole. Die Flugpreise liegen zwischen 80 und 130 Euro.

Wieviel Tage für Iquitos einplanen?

Für die Besichtigung des Marktes und des schwimmenden Stadtviertels reicht 1 Tag völlig aus. Wenn dir das Chaos nichts ausmacht, kannst du deinen Aufenthalt gerne verlängern.

Hotelempfehlung in Iquitos

Wir haben in dem Hotel La Posada de Lobo eine riesige, gemütliche Suite bekommen. Die Unterkunft liegt außerhalb des touristischen Gebiets von Iquitos und das Hotel wird eher von den Peruanern besucht. Dementsprechend spricht das Personal nur mühsam Englisch. Es gab auch ein Pool, in dem wir am Nachmittag geschwommen sind. Es gibt sehr viele Restaurants in der Nähe, das Hotel besitzt selber eins. Eine Nacht kostet ca. 45-54 Euro. Wir waren mit dem Service des Hotels zufrieden.

Pool am Hotel la Posada de Lobo in Iquitos

Den Tag am Pool ausklingen lassen

Restaurantempfehlung für Iquitos

Da unser Hotel nicht in der Stadtmitte lag, fanden wir nur Restaurants in der Nähe die recht früh (rund um 16:00 Uhr) schließen. Wir haben uns entschieden in dem Punto Marino Restaurant neben dem Hotel zu essen. Hier stehen nur Fischgerichte auf der Speisekarte. Auf Wunsch von Balint und Jasmin bereiten sie auch Hähnchen zu. Die Chicken Nuggets mit Kartoffel kosteten 25 Soles (6,7 Euro). Wenn man in Iquitos ist, ist Ceviche zu probieren, ein Muss. Es ist ein peruanischer Fischsalat und wird in der Stadt an jeder Ecke angeboten. Im Restaurant kostete Ceviche de Pescado 26 Soles (7 Euro). Ein Inka Cola war 3,5 Soles (95 Cent) und ein Cusqueña Bier 5 Soles (1,3 Euro).

Im Stadtzentrum z. B. am Plaza de Armas findest du Restaurants, die länger geöffnet sind. Sie sind mehr touristischer und die Gerichte kosten dementsprechend mehr.

Tipps für deine Aufenthalt in Iquitos

  • Besichtige Belen Stadtviertel und den Markt mit einem Guide. Er kann vieles über die Produkte erzählen und du bist in Sicherheit. Belen zählt nicht zu den sichersten Orten der Welt. Hauptsächlich der Markt kann in der Früh sehr überfüllt sein. (Als wir dort waren, hat es gerade davor geregnet. Deswegen waren bisschen weniger Peruaner dort.)
  • Stecke Wertsachen tief in die Tasche oder lasse sie am besten im Hotel. Halte deine Kamera sehr gut fest!
  • Trage keinen Schmuck oder Armbanduhr!
  • Hab einen Regenponcho dabei! Es kann im Amazonasgebiet jederzeit regnen.
  • Ziehe dir Klamotten und Schuhe an, die ruhig schmutzig sein dürfen. Wenn es regnet, ist der Belén Markt matschig.
Iquitos Peru

Pin it!

TAGS
RELATED POSTS
2 Comments
  1. Antworten

    Michael C.

    August 4, 2019

    Hallo mein Name ist Michael und gemeinsam mit meiner Freundin würden wir gerne im September eine Dschungeltour in Iquitos (Peru) machen. Daher wollten wir fragen, mit welcher Agentur bzw. welche Tour ihr gemacht habt? Bzw. wart ihr zufrieden und wie war das Preis-Leistungsverhältnis? Wir wären euch sehr dankbar, für eure Ratschläge.
    Liebe Grüße Michael

    • Antworten

      TravelSicht

      August 4, 2019

      Hallo Michael,

      wir haben die Dschungeltour (3 Tage/2 Nächte) mit Amazon Discovery (https://www.amazondiscovery.net) gemacht. Wir haben von mehreren lokalen Touranbietern Angebote geholt, aber wir haben sie wegen Preis-Leistungsverhältnis und Bewertungen (sie haben Top-Reviews auf TripAdvisor) gewählt. Und es war eine richtig gute Entscheidung. Wir waren mehr als zufrieden! Da wir uns Iquitos auch anschauen wollten, haben wir die Stadtbesichtigung mit denen organisiert.

      Viele Grüße
      Ildi

LEAVE A COMMENT

Ildi, Balint & Jasmin
München

Wir sind Flashpacker, organisieren unsere Trips selbst und reisen gerne auf eigene Faust. Wir fingen an in 2008 zu reisen und bereisten schon knapp 30 Länder zusammen. Seit 2015 entdeckt unsere Tochter, Jasmin die Welt mit uns. Auf unserem Reiseblog berichten wir über unsere Fernreisen mit oder ohne Kind, aber auch über Ausflüge in die Nähe oder Wochenendtrips. Dabei erzählen wir Geschichten von unterwegs, zeigen Fotos, Videos und geben konkrete Tipps und Anregungen.